Dream Catcher

Was wissen wir über die Musik Luxemburgs? Nun sind wir seit vielen Jahren zum Gebilde der Euro-Zone zusammengerückt, und man sollte doch meinen, dass wir uns auf unserem eigenen Kontinent gegenseitig auch kulturell kennen. Doch gerade über unseren kleinen Nachbarn ist da herzlich wenig bekannt. Höchste Zeit für Nachhilfe! Mit dem grandiosen Sextett Dream Catcher leuchtet der einst weiße Fleck nun in Farben zwischen Celtic Folk, französischem Chanson und packendem, universell verständlichem Pop kräftig auf – so bunt wie ihre Heimat.

Auch wenn sie oft noch als Geheimtipp gehandelt werden: Wer aufmerksam während der letzten Jahre die Konzertkalender kleinerer Bühnen verfolgt hat, dem dürfte Dream Catcher wohl kaum entgangen sein. Die hart arbeitende Tourband in Trio-, Quartett- oder voller Sextettbesetzung kann bereits auf eine 18-jährige Bandhistorie verweisen. Und eigentlich geht ihre Geschichte noch weiter zurück als bis zum Gründungsjahr 1998: Bereits in den frühen Neunzigern schält sich die dynamische Pop- und Rockcombo T42 als Kultband Luxemburgs heraus, maßgeblich dafür verantwortlich Frontmann John Rech, der in Luxemburg bereits vor fünf Jahren für seine Verdienste um die Kulturszene tatsächlich zum Ritter geschlagen wurde. Doch Rechs Zweitprojekt Dream Catcher setzt nach der T42-Ära noch mehr Glanzlichter: Die „Traumfänger“ sind ganz wie ihre Heimat multilingual (lëtzebuergesch, französisch, englisch) und multikulturell, bringen die besten Einflüsse der europäischen Pop- und Folkmusik von Dublin bis Dudelange zusammen.

Das beginnt mit der Debüt-EP „Happy In My Tree House“, ein Klassiker der heimischen Radiostationen bis heute. 2003 erreichen sie mit dem Hit „Deng Hand“, einem Benefizsong für die Leukämie-Hilfe Gold, „Sunny Days“ und „When We Were Young“ avancieren in den Folgejahren zu weiteren Chartbreakern ihrer Alben, die sich munter in den Top Ten tummeln. Als Vorgruppe werden sie von Sting über Alanis Morisette bis zu Bon Jovi begehrt, Kollaborationen gibt es mit dem Singer/Songwriter Ezio aus Cambridge, der irischen Folkband Beoga sowie Luxemburgs Jazz-Heißsporn Pascal Schumacher.

Nach einer Pause, bedingt durch die Jubiläumsfeiern, die Rech als Kulturbeauftragter seiner Stadt Dudelange vorbereitet, schwenken Dream Catcher auf eine neue Laufbahn mit Christoph Brill an der Gitarre ein. Der packende Bandsound von Dream Catcher in seiner aktuellen Form wird außerdem vom wirbelnden Fiddler Wolfgang Wehner, dem flinken Tastenmann Eric Falchero an Piano und Akkordeon, Bassist Claude Zeimes und Schlagzeuger Steve Krippler herausgemeißelt.
Mittlerweile hat die Karriere der Traumfänger aus dem kleinen Luxemburg kosmopolitische Züge angenommen: Während der letzten Jahre haben sie Bühnen in Kanada, den USA, Japan, Singapur und natürlich überall in Europa bespielt. Da passt es wunderbar, dass sie ihr neues, Album „Vagabonds“ genannt haben. Darauf zu finden: 12 Songs, die von der ungeheuren Vielfalt der Combo künden, mit geschicktem Pult-Händchen gebündelt vom jungen irischen Produzenten Sean Graham.

Bereits der Opener „Je T'aime À En Mourir verpackt eine Endzeitvision kraft- und liebevoll in einen Song, der im Refrain die Qualitäten eines Ohrwurms für die Kneipe um die Ecke hat, in den Strophen aber dynamisch feinsinnig auf Chanson-Intimität zurückschaltet. „Not Too Old To Folk'n'Roll“ erzählt mit unverhohlener Celtic Pop-Attitüde, kreisender Fiedel und Akkordeon die nette Geschichte eines Vaters, der von der Tochter zurechtgewiesen wird, ob er denn nicht zu alt sei für Folk. Irisches Flair kommt auch in der grandiosen Paarung einer Liebesgeschichte und eines wilden Reels auf („Mountain Road / Mountain Race“).

Leichte Reminiszenzen an einen rockenden Jacques Brel der frühen 1960er werden mit „Au Flamingo Rose“ wach, nur, dass hier auch noch eine feurige Fiddle den Beat antreibt. Einen Einblick in ihre luxemburgische Poesie gibt die Band mit der gefühlvollen, dramatisch sich aufbauenden Rockballade „Verluer“, in der sie von bretonischen Altrocker Dan Ar Braz an der Gitarre unterstützt werden. Und die lyrische Seite des Sextetts beweist sich auch auf Englisch, wenn John Rech sie zu perlendem Klavier seine „Maria“ besingt. Und inmitten all dem zwei veritable Hits: „J'veux Du Soleil Plein La Vie“ mit seinen raffinierten Pizzicato-Effekten und wippenden Akkordeon sowie der luftige Folkpop-Ohrwurm „Nanana“ (letztere die deutsche Singleauskopplung) haben das Potenzial zum Chartsstürmer.

Dream Catcher spannen einen traumhaften Bogen von der Rauheit des Pub-Folkrocks à la Pogues bis hin zu zeitlosen akustischen Popballaden – eine große Entdeckung bei unserem kleinsten Nachbarn.

Links:

Official Website: www.dreamcatcher.lu

YouTube: Not too old to folk'n'roll 

Booking: www.magnetic-music.com