Eric Sardinas

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Wirft man einen Bumerang auf die richtige Art und Weise, kommt er zurück. „Und das Leben ähnelt diesem Spiel mit einem Bumerang – man sitzt mit gebrochenem Herzen da und weiß zugleich, dass es weitergehen muss, dass man sich nach vorne bewegen muss. Man geht ein paar Schritte nach vorn, dann wieder einige zurück. Das entspricht irgendwo auch dem Prinzip eines Bumerangs“, erläutert Eric Sardinas die Intention des Titels seines Albums, eben „Boomerang“. „Darum geht es im Titelsong, aber auch vielen anderen Stücken, die dieses Thema in unterschiedlichsten Facetten und aus den verschiedensten Blickwinkeln aufgreifen und zusammen dann ein großes Ganzes ergeben. Übrigens lief der Song lange unter dem Arbeitstitel ‚Comin´ And Goin´’, der diese Intention auch gut zum Ausdruck bringt“.

Eine ganz neue Erfahrung bescherte „Boomerang“ dem 1970 geborenen Musiker, der heute in Los Angeles lebt, wenn er nicht gerade irgendwo in der Welt auf Tour unterwegs ist. „Wir haben die Songs zwischen unseren Tourneen aufgenommen, nicht am Stück, wie wir es bisher immer gemacht hatten. Es ging nicht anders, wir hatten keine andere Wahl, weil unser Terminkalender in den letzten Jahren so proppevoll gepackt war mit Auftritten in aller Welt. Wir konnten nicht mal zwischendurch mehrere Wochen am Block freischlagen, um uns ins Studio zurückzuziehen. Andererseits hatte das den Vorteil, dass wir stets die Bühnenenergie mit ins Studio nehmen konnten. Möglich war das Ganze aber nur dadurch, dass ich meine Songs on the road schreibe – wenn ich heimkomme, kämpfe ich mich immer erst einmal durch den Stapel von Papieren, Servietten und sonstigen Schnipseln, auf denen ich meine Ideen festhalte, um sie dann zu Hause in Form zu bringen. Aber so habe ich reichlich Inspiration, die der Realität auch vieler meiner Fans entspricht, in der sie sich wiederfinden können. Ich muss mir für die Lyrics nichts großartig etwas ausdenken, sondern kann aus dem ‚richtigen’ Leben’ schöpfen. Und ich bin sicher, dass viele Songideen aus Deutschland stammen, wo wir ja seit Jahren viel touren.“

Mit „Boomerang“ geben Eric Sardinas and Big Motor drei Jahre nach Veröffentlichung ihres letzten Albums „Stick & Stones“ ihren Einstand beim Freiburger Jazzhaus-Label. „Das ist auch der Grund, warum ich meine ursprüngliche Veröffentlichungsidee erst einmal hintan gestellt habe. Ich wollte eigentlich vier Miniveröffentlichungen mit jeweils fünf Songs das Jahr über herausbringen. Doch nach den Gesprächen mit Jazzhaus habe ich mich entschlossen, erst einmal eine kompakte Ladung mit zehn Songs auf einer CD zu liefern“, lässt Sardinas hinter die Kulissen blicken.

Neun der Stücke auf „Boomerang“ stammen aus seiner Feder, eine Coverversion hat er dazugepackt. „Trouble“ aus dem Fundus von seinem großen Idol. „Mein erstes Konzert, das ich in jungen Jahren besucht habe, war eines von Elvis Presley. Er hat mich mit seiner Bühnenenergie mehr als beeindruckt – und seine Songs waren und sind einfach Hammer! Und ‚Trouble’ war schon immer eine meiner Lieblingsnummer“, begründet er seine Wahl. „Auf diesem Weg will ich sein Erbe auch irgendwo weitertragen!“. Wobei gerade dieser Song wie auch „Boomerang“ exemplarisch für Sardinas musikalische Ambition steht: „Ich will straighten Rock´n´Roll und Blues zusammenbringen und mein eigenes Ding daraus basteln.“.

Wozu auch die Art und Weise der Arbeit im Studio beiträgt: „Wir waren alle gemeinsam in einem Raum, haben zusammengespielt und hinterher nur Kleinigkeiten hinzugefügt. Und für diese Art von Aufnehmen ist Matt ‚Groove’ Gruber, der ja auch schon beim letzten Album ‚ Sticks & Stones’ dabei war, genau der richtige Produzent. Er ist selbst Musiker, versteht mein Anliegen und hat wieder das Beste aus mir herausgeholt, hat mich an meine Grenzen getrieben.“ Auf namhafte Studiogäste hat Sardinas diesmal bewusst verzichtet. Lediglich Dave Shultz ist wie schon auf „Sticks & Stones“ auf einer Nummer mit seiner Hammondorgel zu hören. „Ich hatte das Riesenglück, dass ich während meiner Karriere live wie im Studio mit vielen Blues-Größen zusammenspielen konnte. Denn die Titanen des Blues sterben ja leider allmählich aus und hinterlassen uns ein großes Erbe. Aber ich wollte es diesmal wirklich organisch und natürlich halten, ähnlich wie einst bei meinem ersten Album ‚Treat Me Right’. So bin ich mit ‚Boomerang’ gewissermaßen zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Wir haben wieder auf dem guten alten Band aufgenommen und erst in späteren Arbeitsstadien die Möglichkeiten der digitalen Studiotechnik genutzt.“.

Wobei es sich von selbst versteht, dass Sardinas auf seiner Resonator gespielt hat, weiter auf den Einsatz elektrischer Gitarren verzichtet. „Die Resonator, vor allem auch mein Singature Model, das nach meinen Wünschen gebaut wurde, bietet mir so viele Ausdrucksmöglichkeiten, dass ich auf Effektgeräte weitgehend verzichten kann. Ich kann mich auf dem Instrument richtig austoben und unglaublich viel Druck erzeugen, Klänge herausholen, dass ich es mir gar nicht vorstellen kann, auf einem anderen Instrument zu spielen.“ Wobei er dennoch flexibel ist, wie er auf seiner gerade abgeschlossenen Europa-Tour bewiesen hat. „Beim Abflug von Los Angeles sind all meine Gitarren verschwunden – sie waren nirgendwo aufzufinden, sind irgendwo zwischen den Airlines verschollen und erst zwei Tage nach meiner Rückkehr aus Europa wieder aufgetaucht. Zum Glück habe ich treue Freunde und Fans, die mir zu den Shows Gitarren gebracht haben, auf denen ich dann gespielt habe. Das war eine ziemliche Herausforderung, zugleich aber eine tolle Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte!“.

Auf eine andere Erfahrung, die bei den finalen Arbeiten an „Boomerang“ dann doch ein wenig behinderten, hingegen hätte er locker verzichten können: „Bei einer der letzten Europa-Shows in Österreich habe ich mir ein paar Leute zum Jammen auf die Bühne geholt. Die war ziemlich eng, und als ich Platz machen wollte, bin ich mit meinem Stiefel im Boden hängen geblieben, zwei Meter tief von der Bühne gestürzt und habe mir dabei das Bein gebrochen. Aber es geht schon, ich muss es nur ein wenig schonen, damit ich wieder richtig fit bin, wenn es wieder auf Tour geht. Und ich habe ja das Glück, dass meine Musik überall gefragt ist, dass ich mich zwischen Australien, Japan, Malaysia, Europa und Nordamerika zerreißen könnte – Es ist nicht immer leicht, allen Fans mit Shows gerecht zu werden.“

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Official Website: http://www.ericsardinas.co.uk/