fatsO

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Der Blues von Bogotá auf dem Vormarsch in unsere Breiten? Hört sich ein wenig verrückt an - und das ist es auch. Mitten aus der kolumbianischen Kapitale dringt - zwischen all den Salsa-, Rock- und Electronica-Sounds - eine Reibeisenstimme, die den Boden zum Beben bringt. Daniel Restrepo sorgt mit seiner Combo fatsO für die Aushebelung von Latin-Klischees, versetzt die Anden mitten in die Südstaaten. In ihrer Heimat gefeiert, setzt das aufregende Septett nun zum Sprung nach Europa an.

Unter den wenigen wirklichen Trends, die die Weltmusikszene in den letzten Jahren hervorgerbacht hat, sticht das Thema Kolumbien quirlig und turbulent heraus. Im topographisch reichen Land mit Pazifik- und Atlantikküste, Andenbergland und tropischem Dschungel findet sich eine ebenso vielgesichtige Mu-sikszene: Salsa, Cumbia, Latinrock, afro-karibische Roots, die angesagte Electro-Schiene - der Reichtum scheint unerschöpflich. In diesem Reichtum versteckt Kolumbien auch völlig unerwartete Sounds, die auf den ersten Höreindruck so gar nichts mit Südamerika zu tun haben. Einer von diesen unverhofften Schät-zen ist Daniel Restrepo aus Bogotá: Ein Singer/Songwriter und Bassist, der so überzeugend mit Blues, Jazz und Soul auf den Plan tritt, als hätte er sie mit der Muttermilch aufgesogen. Ein Kerl, bei dessen kratzig-beseelter Stimme das Publikum reihenweise ins Taumeln gerät - und da reden wir nicht nur vom weiblichen Teil seiner Hörerschaft.

Daniel Restrepo betitelt sein Bandprojekt fatsO - der liebevolle Namen leitet sich ab vom fettesten "Bandmitglied", seinem Kontrabass. Mit dem Tieftöner verbindet Daniel viel Herzblut. Gefunden hat er ihn auf Reisen im kubanischen Havanna, doch als er ihn verschiffen ließ, kam das gute Stück in drei Teile zerlegt in seiner Heimat an. Mit Hingabe, Feingefühl und monatelanger Arbeit reparierte Daniel den hölzer-nen Kumpel. Und ging dann in Klausur in einem Apartment des Viertels La Macarena, schrieb mithilfe des wiederhergestellten "Dicken" Songs und Arrangements.

Dass die ihre Inspiration aus kolumbianischen Urtugenden genauso wie aus Übersee beziehen, hat natürlich auch seinen Grund. Denn dieser Daniel Restrepo ist ein Tausendsassa: Er verbrachte zunächst viele seiner prägenden Jugendjahre in den Vereinigten Staaten. Und mauserte sich in Kolumbien dann zu einem vielbeschriebenen Blatt im Musikbusiness: Nach seinem Kompositions-Studium an der Universidad Jave-riana gründete er das Label REEF Records, das sich der Bewahrung des immateriellen Kulturerbes Kolumbiens widmet. Des weiteren brachte er den Verlag ¡BULLA! auf den Weg, der sich auf Independent-Bands spezialisiert hat. Als Musiker agierte Restrepo selbst in den Bands Tekeyé, Asdubal und Seis Peatones.

Bis er nun mit fatsO - dank dickem Begleiter - seine ultimative Berufung gefunden hat. Nach der Entste-hung der Songs scharte Daniel sechs Mitstreiter um sich, die zu den führenden Musikern der Hautpstadt-szene aus ganz verschiedenen Klangwelten gehören: Da wäre der Klarinettist und Saxer Daniel Linero, der schon bei der Kultband La Mojara Elétrica blies, sein Instrumentenkollege Cesar Caicedo hat hingegen einen klassischen Hintergrund und erspielte sich in diesem Umfeld zahlreiche Preise. Die fette fatsO-Hornsektion komplettieren die Saxer Pablo Beltrán und Elkin Hernández, dessen Spiel sich aus der afro-pazifischen Tradition nährt. Bühnenerfahrungen von New York bis Tokio hat Gitarrist Santiago Jiménez aufzuweisen, von seiner klassischen Ausbildung ausgehend steuerte er elektrifiziert in Salsa- und Cumbia-Gefilde. Drummer Cesar Morales schließlich ist mit allen stilistischen Wassern gewaschen und zugleich Seis Peatones-Kollege von Restrepo.

Nach sechsmonatigem Feilen erschienen, schlug das Debütalbum die kolumbianischen Landsleute sofort in den Bann, als Restrepo und seine Mannen es 2013 beim Bogotaer Jazz In The Park-Festival vorstellten. Die neun englischsprachigen Songs plus ein spanisches Intermezzo auf dem Debütalbum des Septetts bergen scheppernden Blues, alten Jazz und brettharten Rock in sich, es blitzen für Sekunden Erinnerungen an Tom Waits, Joe Cocker oder Leonard Cohen auf - und doch wurde alles durch das Klima der pul-sierenden Andenmetropolis gefiltert.

Da bricht in "Out Of Control" ein bleischwerer Rebellenbluesrock vom Zaun, mit "Hello" gibt man ein beschwipstes, quertaktiges Annäherungs-Ständchen zum Besten. "Brain Candy" beschwört mit unheimlicher Chromatik die schwüle Atmo einer Südstaatenkaschemme herauf, und der "Pimp" führt mit polternden Drums noch tiefer in die musikalische Lasterhöhle hinein, irgendwo zwischen archaischer Swing-Explosion und Proto-Rap. In der Melancholie von "Crying Out", in der man ernsthaft um die Stimmbänder des ver-zweifelt herausbellenden Restrepo fürchten muss, arbeitet sich die Klarinette, eines der Nationalinstrumen-te Kolumbiens, aufjauchzend nach vorne, während in "It's Getting Bad", der Ballade eines Liebestrunke-nen, die Stromgitarre ihre Sternstunde hat. Mit "Oye Pelao" schließlich nähert sich die Combo in Landessprache unverkennbar den traditionellen Cumbia- und Vallenato-Färbungen an. Und auf dem Fundament all dieser Hymnen der Outlaws, Verstoßenen und Besessenen: fatsO, Restrepos unzertrennlicher Begleiter mit seinen polternden, staubtrockenen Grooves.

Der Reibeisenbasser und seine wilden sechs wollen Europa nun im Sturm erobern. Mit ihrer unge-schliffenen Energie mitten aus dem 8-Millionen-Hexenkessel dürfte das binnen kurzem gelingen: Erster Vorbote war das Konzert bei der Fachmesse Jazzahead in Bremen im vergangenen Frühjahr, wo die Latinos mit Standing Ovations gefeiert wurden.

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Official Website: www.fatso.com.co

Booking: http://jazzhausbooking.com/